Eine ungewöhnliche Weihnachtsfeier

In Dezember hält jeder Verein seine Weihnachtsfeier ab,  meistens trifft man sich an einem gemütlichen Ort  bei Glühwein und Plätzchen und Lebkuchen, oder auch etwas Herzhaften, oder die Weihnachtsfeier findet  in einem Gasthaus statt.

Was macht aber eine Hundeschule, wenn sie  zur Weihnachtsfeier einlädt?

Die eigentlichen Hauptpersonen sind ja die Hunde, und die sollen die einfach zu Hause bleiben?
Das Hundezentrum Mittelfranken, mit ihren Besitzern Gerd und Carmen Schuster hält alljährlich eine besondere Weihnachtsfeier ab : sie lädt mit Hunden zu einer Wanderung ein und anschließend  die Hunde mit ihren Besitzern ins Gasthaus. Ich war mit meinem jungen Hund Frodo, einem  Mini-Aussi, das erste Mal dabei und fragte mich im voraus, wie das wohl mit all den Hunden gehen würde. (Obwohl in der Hundeschule problemlos die Hunde immer ohne Leine gut miteinander auskommen bzw Konflikte durch die kompetente Leitung von Gerd und Carmen gut gelöst und erklärt werden.)

Also:

Ich freute mich und war gespannt!

Das Wetter hätte besser nicht sein können: ein zwar sehr kalter , aber wunderschöner Wintertag mit strahlend blauem Himmel. Am Hundeplatz fanden die Autos fast keine Parkpätze mehr,  40 -50 Hundebesitzer mit ihren Hunden waren gekommen!. Auch da kein Zoff und kein Streit, sondern friedliches sich beschnüffeln (der  Hunde untereinander natürlich ;-)  ) 

Und dann gings los:

Zunächst noch mit unseren angeleinten Hunden zogen wir ein Stück über die Straße und dann auf einen Feldweg in die herrliche Winterlandschaft.
Gerd Schuster machte uns noch aufmerksam, dass die Hunde bitte nicht auf dem Feld ihre großen Geschäfte erledigen sollen, sondern nur am Wegrand, er habe das mit den Bauern abgesprochen.  Auch sehr verantwortungsbewusst fand ich, dass Hunde, die sich nicht ganz konfliktfrei verhalten, Maulkörbe tragen mussten.
Schließlich erklärte Gerd, dass wir  unsere Hunde ableinen können , aber nur solche, die sich abrufen lassen, durften frei laufen, und zuletzt liefen nur noch ca. 10 Hunde an der Leine! Auch wurden wir angehalten, wenn uns jemand begegne, bitte alle Hunde anzuleinen.

Es war für mich ein irgendwie sehr bewegendes Bild:

Die Wintersonne warf ihre Strahlen über die glitzernde Schneelandschaft, eine lange Kette von Menschen zog sich  über die Feldwege , und um sie herum spielten, sprangen und tobten ca. 30 Hunde! Dazu die angeleinten Hunde neben ihren Besitzern. Voraus Gerd Schuster mit seinem Wolfshund und seinen vier Boerboels. Das lässt sich nicht mit Worten beschreiben, man muss es einfach erlebt haben: Ein Gefühl von Freude, Freiheit, Naturverbundenheit, ein Angerührt-sein von der herrlichen Schöpfung mit ihren Tieren und Menschen.

Natürlich kam er hier und da zu kleinen Konflikten zwischen den Hunden, die aber gleich gelöst wurden. Das ist ja das Tolle an dieser Hundeschule: Uns wird beigebracht, dass ein Hund ein Hund ist und sich wie ein Hund verhält, und wir durch liebevolle aber konsequente Erziehung unsere Hunde artgerecht zu unseren Freunden machen, aber ihr Hundsein respektieren , und so auch lernen , mit Konflikten zwischen Hunden positiv  umzugehen. Auf der Mitte der Strecke wartete Carmen Schuster mit Glühwein, Kinderpunsch, Kaba und Lebkuchen zum Stärken und Aufwärmen. Die Hunde blieben dabei alle brav bei uns.

Auf dem Rückweg dann der Härtetest:

Ein Hase wagte sich todesmutig in die Nähe der Hundemeute und ..... nur EIN Hund jagte ihm nach, alle andern blieben in der Mensch-Hundegruppe zusammen. Aber der Hase war schneller und so kehrte der Hundeausreißer nach wenigen Sekunden schon wieder zu seinem glücklichen Besitzer zurück. Gerd erklärte uns, dass dieses Verhalten, normales Hundeverhalten sei und es jeder andere Hund aus unserer Gruppe hätte sein können. -Somit keine "Scham" aufkommen muss, es wäre ihm sogar als Trainer schon passiert (...und "Hand auf´s Herz", welchem Hundebesitzer, ist denn nicht schon das gleiche passiert?!?). Drei Stunden sind wir gelaufen, Menschen und Hunde waren am Schluss müde, aber glücklich, und ich mit irgendwie einem Sonnenstrahl in meinem Herzen, ich glaube, diese Wanderung werde ich so schnell nicht vergessen....

Leider hatte ich keine Zeit mehr, mit ins Gasthaus zu gehen, das Bild  von 40 – 50 Hunden mit ihren Besitzern  in der Gaststätte hätte ich zu gerne gesehen und erlebt....

Fazit:

Irgendwie ist es immer wie ein Wunder und dennoch bei Gerd und Carmen Schuster ganz normal, wie Hunde artgerecht freilaufend so gut miteinander zurecht kommen, und die Hundebesitzer ganz souverän Konflikte lösen können – gemäß dem Motto der Canis Hundeschulen: Beziehung statt Leckerli!

Ich  bin stolz, zu dieser Hundeschule zu gehören!

 

Dr. Ulrike Cutire